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Interview mit Frau Dr. Speth

Interview mit Frau Dr. Speth

06. November 2015

Liebe Fr. Dr. Speth, sie sind die leitende Ärztin der Poliklinik in Rüdersdorf, haben dort ihre Praxis, zudem Rufbereitschaft in der Klinik und sind nun bereits seit über einem Jahr die Kinderärztin bei den Kristallkindern. Warum haben Sie sich entschieden diese Aufgabe zu übernehmen? Hat ihr Tag mehr als die üblichen 24 Stunden?

"Die Betreuung der Kristallkinder habe ich deswegen übernommen, weil ich mit ganzem Herzen Kinder- und Jugendärztin bin.  Als solche bin ich Ärztin für alle, die mir anvertraut werden, also auch für schwer kranke Kinder. Nachdem ich mir die Wohngruppe angeschaut hatte und wir gemeinsam mit der Leitung besprochen hatten, wie die Betreuung für diese Kinder sinnvoll und realisierbar ist, konnte ich mich dafür entscheiden, das zu übernehmen, ohne meinen Zeitrahmen zu überschreiten. Das auch deswegen, weil ich in meiner Praxis und in der Wohngruppe in ein Team eingebettet bin, das diese Betreuung gemeinsam realisiert."

Sie sind 2015 die Sportlerin des Jahres im Landkreis MOL geworden. Wie bekommen Sie ihre berufliche Karriere  mit ihrem ambitionierten Hobby unter einen Hut?

"Radfahren ist für mich in erster Linie Entspannung. Da passt es gut, dass mein Weg zur Arbeit mit ca. 13 km gut mit dem Rad zu bewältigen ist. So habe ich selbst  an langen Arbeitstagen nicht nur Ausgleich sondern auch immer schon ein bisschen trainiert. Alles andere ist tatsächlich eine Mischung aus Planung, Kreativität und Effektivität.  In der Regel lege ich mich am Beginn eines Jahres fest, wie viele Rennen ich wann absolvieren möchte und was der Höhepunkt sein soll. Darauf versuche ich mich gezielt vorzubereiten. Wenn ich dann  zu viele Termine habe, die mich am Training hindern, dann fahre ich halt z.B. mal mit dem Rad zum Kongress nach Berlin. Oder trainiere kurz aber sehr intensiv. Leider kann ich oft nicht mit meiner Radsportgruppe zusammen fahren, weil ich im Rufdienst in der Nähe des Krankenhauses bleiben muss. Letztendlich  kann ich das alles auch nur schaffen, weil mein Mann mich so toll unterstützt, obwohl er mich deswegen noch weniger sieht als sowieso schon."

Die Kinder, welche Sie in der Wohngemeinschaft betreuen, haben zum Teil lebenslimitierende Erkrankungen. Wie gehen Sie damit um und wie erhalten Sie sich dabei Ihre Fröhlichkeit?

"Mein Beruf umfasst die Vorsorge vor Krankheiten, das Erkennen von Krankheitsursachen, deren Linderung und im besten Fall deren Heilung. In den allermeisten Fällen können die Eltern der Kinder durch meine Begleitung  selbst während einer schweren Krankheit nach einer gewissen Zeit wieder ein gesundes Kind haben. Die Dankbarkeit dafür ist mein bester Lohn!  Daraus hole ich mir die Kraft für die wenigen schweren Fälle, wo selbst hochspezialisierte Medizin nicht in der Lage ist eine Heilung herbeizuführen. Auch ich musste lernen, das zu akzeptieren. Für diese Kinder gilt es im Rahmen einer palliativen Betreuung die Lebensumstände so zu gestalten, dass wir sie zwar fordern, aber nicht überfordern, mit ihren Defiziten begleiten und dadurch ein würdiges Leben ermöglichen, unabhängig davon, wie lang dieses Leben ist. In den Momenten, wo auch diese sehr kranken Kinder mir mit ihren eigenen Mitteln zeigen, dass sie diese Fürsorge wahrnehmen, merke ich, wieviel Wert es mir ist, diese Kinder in ihrem kurzen Leben zu betreuen."

Die Kristallkinder Wohngemeinschaft ist eine besondere Einrichtung und in Brandenburg die Einzige ihrer Art. Ist es nicht längst überfällig, dass sich ähnliche Einrichtungen für intensivpflichtige Kinder in ganz Deutschland etablieren?

"Die Betreuung von Kindern mit intensivmedizinischem Charakter fordert, wenn sie im häuslichen Umfeld stattfindet, sehr viel Engagement und in vielen Fällen auch Eingriff in die individuellen Belange der gesamten Familie.  Das dazu rund um die Uhr. In einer ambulanten Wohngruppe gibt es die Möglichkeit, diesen Kindern und deren Familien eine sehr individuelle Betreuung außerhalb des familiären Umfeldes aber doch unter sehr enger Einbeziehung dessen zu ermöglichen. Durch die Bündelung der verschiedenen Kompetenzen, die in dieser Betreuungsform nicht nur einem Kind zugutekommt, wie es im häuslichen Umfeld wäre, ist es aus wirtschaftlicher Sicht auch sehr effizient. Das alles sind Gründe, warum solche Angebote allen Familien mit Kindern mit sehr hohem Pflegeaufwand bei unheilbaren Erkrankungen offen stehen sollten. Im Idealfall je nach aktuellem Bedarf der Familie als Ganztagsbetreuung oder auch nur für eine je nach Situation festzulegende Zeitspanne."

Heute ist Freitag, das Wochenende steht vor der Tür.  Wie sieht ihr wohlverdientes Wochenende aus? 

"Ich freue mich auf ein Wochenende zum Ausspannen. Dazu gehört ausschlafen, ganz in Ruhe mit meinem Mann frühstücken, mal die Seele baumeln lassen, vielleicht etwas Schönes lesen, etwas Leckeres kochen. Da die Rennsaison gerade beendet ist werde ich auch nicht Rad fahren. Irgendwann muss ich mich auch ein bisschen um den Haushalt kümmern, der in der Woche zu kurz kam.  Bei all dem hoffe ich, dass mein Telefon nicht klingelt, da ich ab Freitagnachmittag bis Montagfrüh im Hintergrunddienst für den diensthabenden Arzt im Krankenhaus bin."

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben!


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